Ratsschüler gestalten Volkstrauertag

Ratsschüler Jan Bockrath warb für die Spendenaktion

 

Gleich zum Auftakt des neuen Konzeptes übernahmen Ratsschüler die inhaltliche Gestaltung der Feierstunde im Grönenbergpark. Damit prägten in Melle erstmals Jugendliche den Volkstrauertages. Beteiligt waren Schüler der Klassen 9b und 10b.

Die Landtagsabgeordnete und Meller Ortsbürgermeisterin Gerda Hövel (CDU) hatte die Ratsschüler um ihre Teilnahme gebeten. Die Politikerin hatte die Jugendlichen kennengelernt, als sie im niedersächsischen Landtag für ihre jahrelangen Verdienste um die Sammlung der Kriegsgräberfürsorge geehrt wurden. Der Volkstrauertag ist auch traditionell der Auftakt für die bundesweite Spendenaktion.

In Referaten berichteten die Ratsschüler über Schicksale ihrer Vorfahren und blickten auf eine Studienfahrt zur Kriegsgräberstätte in Ysselsteyn (Niederlande) zurück.

 

Marie Christin: Bolzen an den Gräbern

Rund 50 Ratsschüler waren zum Friedhof mit über 32.000 Gräbern von Soldaten und Krankenschwestern nach Ysselsteyn gereist. Den Bolzplatz der Jugendbegegnungsstätte, in der die Meller untergebracht waren, trennte nur ein Maschendrahtzaun vom Gräberfeld. „Die Jungs haben so manchen Schuss über den Zaun gesetzt“, erklärte Marie Christin Wagner (9b), „direkt neben ein riesiges Gedenkkreuz. Doch das Kreuz ist nicht nur ein Symbol des Leidens. Es ist auch ein Symbol der Hoffnung. Denn am Kreuz ist Jesus Christus für uns gestorben, damit wir alle das ewige Leben haben.“

 

Maximilian: Aus dem Feldpostbrief des Ururgroßvaters

Maximilian Berens (10b) las aus einem Feldpostbrief seines Ururgroßvaters aus dem Ersten Weltkrieg an seine Tochter vor, deren Prüfung als Konfirmandin er vor der Gemeinde nicht erleben konnte. „Aus dem Felde“ bedauerte der Soldat auch, dass er bei der Konfirmation an Ostern wegen des „grausigen Krieges“ nicht dabei sein werde.

Der Vater gab seiner Tochter in dem Brief mit auf den Weg: „Sei ehrlich, gehorsam und fleißig, willig und freundlich gegen jedermann, so wirst Du von allen Leuten gern gesehen und bei jedermann beliebt sein.“

Auch einen Teil der Ausrüstung hatte Maximilian für die Gedenkfeier mitgebracht. So stellten die Ratsschüler neben dem Stahlhelm auch den Feldtornister, das Essgeschirr und den Spaten von Maximilians Vorfahren aus.

 

Fabian: Der Urgroßvater floh aus dem „Heiligenbeiler Kessel“

Am Karfreitag 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, brach Fabian Lichers (10b) Urgroßvater bei Danzig aus der Umzingelung durch die Sowjetarmee aus. Sie schafften es bis an die Küste, stiegen in Fischerboote und waren nun der sowjetischen Luftwaffe ausgeliefert. „Mein Urgroßvater und seine Kameraden versprachen in diesen Momenten: Wenn sie dieses Inferno überleben – dann wollen sie bis zum Ende des Lebens an jedem Karfreitag fasten.“

Und Anton Mentrup überlebte, wenn auch verwundet. In Gotenhafen kam der Obergefreite an und gelangte noch in britische Gefangenschaft. Damals war er 44 Jahre alt und konnte wenig später zu seiner Familie zurückkehren.

 

Celina: Die Urgroßmutter kam als Witwe nach Melle

Der Urgroßvater von Celina Mischnick (9b) wuchs in Schlesien auf – und musste wie die meisten Männer seiner Generation in den Krieg. Für den Landwirt und Gastronom hieß das: Marsch an die Ostfront.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete täglich tausendfachen Tod, Kälte, Hunger und miserable hygienische Zustände. Während seines Einsatzes wurde Albert Hauck schwer krank: Tuberkulose. Statt ins Lazarett wurde er zu seiner Familie geschickt. Eine Frau und vier Kinder warteten sehnsüchtig.

Aber er schaffte es nicht und verstarb als 47-Jähriger. „Nach dem Krieg wurden sie aus Schlesien vertrieben. Neben dem Verlust des Vaters bedeutete das auch den Verlust der Heimat“, so Celina, „im Zug mit vier Kindern kam meine Urgroßmutter als Witwe mit vier Kindern in Melle an“.

 

Jan: Ratsschule sammelt für Kriegsgräberfürsorge

Zur Spende für den „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ rief Jan Bockrath (9b) auf. „Das machen wir gerne, das ist an unserer Schule eine gepflegte Tradition. Sein Ausblick: „Einige von uns werden bei der Sammlung ganz schön frieren, andere sicher auch pitsch-nass.“ Die Spendenaktion an den Haustüren dauert bis etwa Mitte Dezember.

 

Nina: „Nun danket alle Gott“ ist „Lernen fürs Leben“

Als musikalischen Beitrag hatten die Ratsschüler den Choral „Nun danket alle Gott“ ausgewählt. Nina Speckmann (10b) erinnerte an Berichte der Wochenschau, in denen Tausende Spätheimkehrer aus sowjetischer Haft im Grenzdurchgangslager Friedland ergriffen das Lied sangen. „Während der Gefangenschaft haben sie die Strophen nicht vergessen. Der Text hat ihnen Hoffnung gegeben auf den ewig reichen Gott, der sie in seiner Gnade erlösen möge“, so die 16-Jährige. Noch im Religionsunterricht der 10. Klasse müssten sie die Zeilen Rinckarts aufsagen. „Das ist wirklich Lernen fürs Leben.“

Nina blickte in die Zukunft: „Wir werden im Juni bei einer Projektfahrt nach Krakau das Konzentrationslager Auschwitz besuchen und die Emaillewarenfabrik des Oskar Schindler, der 1200 jüdische Zwangsarbeiter rettete.“ Weiter werde der Meller Künstler Peter Eickmeyer im Kunstunterricht über die Entstehung seiner Graphic Novel „Im Westen nichts Neues“ berichten, dem Antikriegsroman von Erich-Maria Remarque.

 

Konfirmandengruppe unter den Besuchern

Unter den 230 Besuchern war auch eine Gruppe Vorkonfirmanden die mit ihren Eltern, Paten und Pastor Stephan Wallis vom Gottesdienst in der St. Petri-Kirche zur Gedenkstätte folgte. Neben vielen Meller Bürgern und Parlamentariern waren auch Abordnungen von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz und der Schützenvereine vor Ort. Für musikalische Beiträge sorgte der Männergesangverein „Cäcilia“ Sondermühlen und wie in den Vorjahren die Bläsergruppe des Gymnasiums.

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