"Hitlerjunge Salomon“ besuchte die Ratsschule

 

Der Bus nach der sechsten Stunde war schon lange abgefahren. Noch immer standen bewegte Ratsschüler auf der Bühne des Städtischen Festsaals in der Warteschlange, um das Buch von Sally Perel signieren zu lassen. Der 89-Jährige hatte berichtet, wie er als Jude den Nationalsozialismus überlebt hatte: In der Uniform des Feindes wurde er zum „Hitlerjungen Salomon“.



Die Ratsschule hatte den Zeitzeugen für ihr Langzeitprojekt „Gegen das Vergessen“ eingeladen. Zur Begrüßung dankte Schulleiter Ludger Jansen der Volkshochschule Osnabrück für die Kooperation und präsentierte eine Ausgabe des Buches von Perel. „Er war schon einmal bei uns zu Gast. Damals schrieb Sally Perel auf die dritte Seite als Widmung: ‚Schalom! 15. September 1998’. Dieses Buch gehört einem ehemaligen Schüler, der heute bei uns Lehrer ist“.

Perel lebt in Israel bei Tel Aviv, reist regelmäßig nach Deutschland und berichtet von seinem Schicksal. Die Familie zog 1938, nachdem ihr Schuhgeschäft durch die Nazis zerstört wurde, von Peine nach Polen. Dort musste Perel seine Eltern zurücklassen und floh in den von Sowjets besetzten Teil des Landes. Die Wehrmacht nahm ihn gefangen und das Versteckspiel begann. Perel gab sich als Volksdeutscher („Jupp Perjel“) aus und diente an der Front als Übersetzer für die Wehrmacht. Eindringlich beschrieb Perel, wie er unter der Angst vor Enttarnung und den Übergriffen eines homosexuellen Soldaten litt. In Deutschland wurde er als gefeierter Kriegsheld auf eine Schule der Hitlerjugend geschickt. „Ich war fast 16 Jahre alt, so wie Ihr. Durch die NS-Erziehung kam Selbsthass in mir auf: Warum bin ich als Jude geboren? Die furchtbare Manipulation der Jugend hat sogar bei mir gewirkt“, rief Perel den 300 Schülern der Klassen 9 und 10 im Städtischen Festsaal zu.

Bewusst hatte Jansen auch Eltern und Großeltern der Ratsschüler eingeladen. „Wenn es um Historie geht, haben diese Angehörigen eine besondere Aufgabe. Das sind Zeitzeugen, die im häuslichen Rahmen vom im Leben Erlebten berichten können“, sagte Jansen. So ließ Besucher Wolfgang Zohm für die Enkelkinder gleich zwei Bücher von Perel signieren. „Das waren zwei wertvolle Geschichtsstunden“, so Zohm, „leider ist unter Neonazis und in Teilen der muslimischen Welt der Hass gegen Juden weiterhin verbreitet“.

Stellvertretend für die Schüler ging Jan Bockrath (10b) zu Perel auf die Bühne und bedankte sich. Die Ratsschüler hätten im Unterricht schon viel über die NS-Zeit gelernt und eine Projektgruppe habe erst im Juni eine Exkursion nach Auschwitz unternommen. „Hoffentlich lernt unsere Generation aus den Fehlern der Vorfahren, damit so etwas Schreckliches nie wieder passiert“, erklärte Jan.

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