Erster Eindruck vom Hallenbad: Keine Rutsche - aber längere Bahn

Schon lange vor der offiziellen Eröffnung durften die Ratsschüler ins Wasser springen. Das neue Hallenbad ist für die den Sportunterricht ein Glücksfall. Doch die Schüler von heute sind die Steuerzahler von morgen – die Unterhaltung des „Grönegaubads“ soll jedes Jahr 1,5 Millionen Euro kosten.

Katharina Strob leitet an der Ratsschule den Fachbereich Sport und freut sich ganz besonders über das neue Meller Schmuckstück. Die Lehrerin ist passionierte Schwimmerin. Sie fährt im Sommer jeden Morgen lange vor der ersten Stunde mit dem Rad zum Freibad. Dort krault Strob ein paar Bahnen durchs Wasser, das ist ihr ganz persönlicher Ausgleich zum Unterricht. Beim SC Melle 03 leitet sie die Jugendgruppen für das Schwimmabzeichen in Gold- und Silber. Mit der Klasse 5c war Strob schon mehrmals im neuen Hallenbad. Dort macht der Sportunterricht den Ratsschülern Freude. Kein Wunder, das „Grönegaubad“ setzt sich mit vielen Farben deutlich ab vom gekachelten Charme der „Badeanstalten“ vergangener Jahrzehnte. Dennoch: Ein Spaßbad ist es nicht geworden, aber den Anspruch gab es auch nie. Das hätte noch mehr Kosten verschlungen und schließlich gibt es in der Region genug attraktive Hallenbäder mit Spaßfaktor, die als echte Alternative locken.

Der Bau des Hallenbades war wohl die umstrittenste lokalpolitische Entscheidung im Grönegau nach der Gebietsreform – und ein wunderbares Diskussionsthema für den Politik- und Deutschunterricht an der Ratsschule. SPD und Grüne stimmten mit einer knappen Mehrheit für das Bad. Dabei konnte selbst der Grandseigneur der Meller Sozialdemokratie, Volker Theo Eggeling, seine Genossen nicht aufhalten. Im „Meller Kreisblatt“ sprach Eggeling zur Eröffnung von der „größten finanzpolitischen Fehlentscheidung der Stadt seit 20 Jahren“. Vor den Betriebskosten warnten auch CDU und FDP, die folgende Generationen enorm belasten würden. Und so manche Eltern bedauern, dass die Hallenbad-Millionen nicht in die Schulgebäude der Stadt Melle investiert worden sind.

Das „Grönegaubad“ taugt optimal für den Schul- und Vereinssport, sowie für Senioren, die aus gesundheitlichen Gründen auf ein Hallenbad am Ort angewiesen sind. Auch die Begeisterung der Ratsschüler hält noch an. Trotzdem bemängeln einige, „dass es keine Wasserrutsche“ gibt. Für einen flotten Kindergeburtstag und regionalen Tourismus ist die neue Immobilie wohl nur bedingtreizvoll. Tatsächlich erinnert der Bau an dien funktionalen aber lichtdurchfluteten Charakter der Bundeswehrschwimmbäder, die einst Verteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD) in die Kasernen stellen ließ.

Kein Spaßbad, aber mehr Spaß am Sportunterricht. Das ist auch ein Gewinn für Melle. Und nebenbei hübschen die vielen Schulklassen noch die Besucherstatistik des Grönegaubades erheblich auf.

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