Wunschzettel an „Sankt Reinhard“, „Sankt Andreas“ und die „Heilige Jutta“

An einem Nachmittag im November bastelten die Schüler der R9b weihnachtlichen Schmuck für den Klassenraum. Aufgehübscht hat es den Raum nicht, denn der wurde in den Sommerferien von der Stadt Melle nicht zu Ende renoviert. „Verschlimmbesserung“ nennt man das wohl. Realschülerin Leona Kohnen hatte die Idee, einen symbolischen aber liebevollen Wunschzettel an die „Verwalter und Lokalpolitiker“ zu verfassen.

Da konnte auch die schönste Adventsdekoration nichts mehr retten. Mindestens „Five Shades of Grey“, also fünf Grautöne, haben die Handwerker hinterlassen. Frisch angestrichen wurde davon aber keiner. Lediglich die vergammelten Akustikplatten hatte die Stadt Melle von den Wänden reißen lassen. Die wurden weder durch neue ersetzt und sie haben die Fläche nicht einmal übertüncht. Dafür blicken Schüler und Lehrer nun in Raum „W24“ auf einige Dutzend Bohrlöcher – aus manchen ragen noch die Schrauben heraus. Immerhin: Eine Akustikdecke haben die Handwerker eingezogen. Das hatten sich die Ratsschüler schon seit Jahren gewünscht. Die Gipsplatten an den Lichtschächten blieben jedoch ungestrichen. Dafür ist die verteilte Spachtelmasse überall sichtbar. Auch eine schalldichte Klassenraumtür hat es, wie fast überall im Schulgebäude, nicht gegeben.

So stimmten die 25 Schüler der Klasse 9b aus dem Realschulzweig der Idee von Leona zu, einen symbolischen Wunschzettel an die „Verwalter und Lokalpolitiker“ zu verfassen. Den entwickelten sie gemeinsam am Whiteboard, als um 15.45 Uhr die letzten Papierschnipsel vom Adventsbasteln aufgefegt waren. Bereits zwei Wochen zuvor hatte die Schulleitung bei einer Begehung gegenüber Dreier und Dettmann auf die Missstände hingewiesen.

Die Hoffnungen der Klasse R9b ruhen auf drei Personen: Bürgermeister Reinhard Scholz und dem Ersten Stadtrat Andreas Dreier wurde eine Weihnachtsmannmütze samt Rauschebart verpasst. Die beiden werden als „Sankt Reinhard“ und „Sankt Andreas“ angesprochen. Jutta Dettmann (SPD), die Vorsitzende im Bildungsausschuss, stilisierten die Jugendlichen als blonden Rauschengel „Heilige Jutta“.

Der Wunschzettel mit den mühevoll gestalteten Figuren der Verantwortlichen soll so lange im Raum hängen bleiben, bis die Renovierung erfolgreich abgeschlossen ist.

 

WUNSCHZETTEL der Klasse R9b...

...an die Verwalter und Lokalpolitiker

 

Lieber „Sankt Reinhard“, lieber „Sankt Andreas“ und liebe „Heilige Jutta“,

die Handwerker haben unseren Klassenraum unfertig hinterlassen.

Für so eine Hausaufgabe würden wir Schüler einen Strich bekommen.

Wir, die Ratsschüler der Klasse R9b, wünschen uns endlich:

1) Einen Klassenraum, in dem Lernen wieder Spaß macht. Andere Schulträger schaffen das auch. Schauen Sie sich mal wenige hundert Meter von uns entfernt um... Wir dagegen lernen in einem „Schulbunker“.

2) Verschiedene Grautöne, meist Jahrzehnte alt, verunstalten den Raum. Oft ist die Oberfläche abgeplatzt. Die Deckenverkleidung wurde mit Gips grob gespachtelt, aber nicht übergestrichen. Schenken Sie uns etwas Farbe für den Schulalltag.

3) Kabelkanäle sind nicht vollständig, ein Fenster ist undicht.

Regen dringt in den Klassenraum ein.

4) Die alten Akustikplatten haben die Handwerker von der Wand gerissen. Dort gibt es jetzt viele schäbige Löcher und gefährliche Restschrauben.

5) Bei der Gruppenarbeit hallt es unangenehm.

Wir brauchen an den Wänden dringend einen wirksamen Akustikputz.

Herzlichst von der „Baustelle“, Ihre R9b

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